fbpx Interview mit dem Präsidenten | HC Wien

„Das Feuer brennt noch immer“

Seit 2013 steht Alexander Kaiser an der Spitze des HC Wien. Im Interview spricht der Unternehmer und Gründer der Strandbar Herrmann über eine knapp verpasste Titelverteidigung bei den Herren, seine Vision für den Verein, die Herausforderungen des Ehrenamts und warum Freundschaft für ihn bis heute wichtiger ist als jeder Meistertitel.

Als Sechsjähriger hielt Alexander „Xandl“ Kaiser erstmals einen Hockeyschläger in der Hand. Mehr als fünf Jahrzehnte später ist der Sport noch immer Mittelpunkt seines Lebens. Drei Staatsmeistertitel gewann er als Spieler, zwei weitere als Präsident des HC Wien. Im Gespräch mit seinem Jugendfreund und langjährigen Mitspieler Bernd Fisa blickt der 53-Jährige auf seine außergewöhnliche Hockeygeschichte zurück, spricht über Rückschläge und Erfolge, über Infrastruktur und Nachwuchs - und über das Feuer, das ihn bis heute antreibt.

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„Ein einziges Tor hat uns gefehlt“

Bernd Fisa: Beginnen wir mit der abgelaufenen Saison. Die Herren haben gegen Arminen das erste Halbfinale auswärts 3:5 verloren, das Rückspiel im Hockeystadion aber mit 2:1 gewonnen. Kann man sagen, dass dem HC Wien ein Tor zum Finale und vielleicht zum Meistertitel gefehlt hat?

Alexander Kaiser: Das Halbfinale war extrem knapp. Aber eine Saison besteht nicht nur aus zwei Spielen. Sie ist die Summe vieler Ereignisse. Und die Wahrheit ist: Wir haben eigentlich eine verkorkste Saison hinter uns. Wir waren fast nie komplett und mussten bis zum Schluss kämpfen, um überhaupt das Final Four zu erreichen. Verletzungen und Einberufungen ins Nationalteam haben uns permanent zurückgeworfen. Im Halbfinale hat Kai, einer unserer stärksten Spieler, gefehlt, weil er mit dem US-Nationalteam in Südafrika um die Olympia-Qualifikation gespielt hat. Auch unser italienischer Mittelfeldspieler war körperlich nicht bei hundert Prozent. Das waren zwei Ausfälle, die enorm wehgetan haben. Dazu kam, dass Josef Winkler - für mich der beste Stürmer Österreichs - im Herbst wegen seiner Knieprobleme fast die gesamte Saison verpasst hat. Zeitweise haben uns gleichzeitig fünf Verteidiger gefehlt. Trotz allem bin ich mit der Saison zufrieden. Immer dann, wenn wir in Bestbesetzung antreten konnten, haben wir unsere Spiele fast immer gewonnen und dabei auch spielerisch überzeugt. Und man darf auch nicht übersehen, dass in unserem Kader acht Spieler sind, die unter 20 Jahre alt sind. Da macht Hanno (unser Herrentrainer) schon einen sehr guten Job!

Hätte im Grunddurchgang trotzdem mehr möglich sein müssen?

Wir sind als Vierter gerade noch ins Final Four gerutscht und mussten deshalb gegen den souveränen Tabellenführer Arminen antreten. Interessant ist aber unsere Bilanz gegen die beiden Finalisten. Gegen die Arminen haben wir in dieser Saison drei Spiele gewonnen und zwei verloren. Gegen den Post SV haben wir zweimal gewonnen und nur einmal verloren. Deshalb ist es umso bitterer, dass wir am Ende trotzdem leer ausgegangen sind.

Dann wart ihr eigentlich der heimliche Meister?

Sagen wir es so: Ein einziges Tor mehr im Rückspiel - und wir wären zumindest ins Penaltyschießen gekommen. Letztlich haben wir im gesamten Halbfinale nur ein Viertel wirklich verschlafen. Im ersten Spiel am Berg lagen wir nach 20 Minuten bereits 1:5 zurück. Danach haben wir Moral bewiesen und uns noch auf 3:5 herangekämpft. Im Rückspiel haben wir 2:1 gewonnen, aber unsere Chancen nicht konsequent genug genutzt. Wir hatten 18 kurze Ecken und haben daraus nur ein Tor erzielt. Das war letztlich zu wenig. Als die Arminen dann das Finale gegen den Post SV mit 10:0 gewonnen haben, denkt man natürlich unweigerlich: Gegen diesen Gegner hätten auch wir unsere Chance gehabt.

Ein 10:0 im Finale ist außergewöhnlich. Wie hast du dieses Spiel erlebt?

Ich habe es im Fernsehen verfolgt und war ehrlich überrascht. Beim Post SV hat an diesem Tag überhaupt nichts funktioniert. Sie sind kaum in die Zweikämpfe gekommen, und nach dem 3:0 hatte man das Gefühl, dass sie den Glauben an sich selbst verloren haben. Die Arminen haben dagegen einen perfekten Tag erwischt. Fast jeder Angriff war gefährlich, nahezu jeder Abschluss saß. Umso mehr zeigt dieses Finale für mich, wie schade unser Ausscheiden war. Ich bin überzeugt, dass unsere Mannschaft deutlich mehr Gegenwehr geleistet hätte.

Woran muss die Mannschaft arbeiten, um im kommenden Jahr wieder ganz vorne anzugreifen?

Von der Qualität her brauchen wir uns vor niemandem zu verstecken. Wenn wir komplett sind und unser Spiel auf den Platz bringen, gehören wir zu den stärksten Mannschaften Österreichs. Was mir manchmal fehlt, ist die letzte Konsequenz. Es gibt Spiele, in denen manche glauben, sie könnten mit achtzig Prozent gewinnen. Nach dem Motto: Die schlagen wir ohnehin. So funktioniert Spitzensport aber nicht. Ein gutes Beispiel ist der WAC. Viele sagen, der WAC sei nicht auf unserem Niveau. Trotzdem haben wir gegen sie dreimal verloren und insgesamt fünfzehn Gegentore kassiert. Das zeigt: Wenn du nicht hundert Prozent gibst, wird jede Mannschaft gefährlich.

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Der Erfolg kommt, wenn wir zusammenbleiben

Nach der knapp verpassten Titelchance der Herren richtet Alexander Kaiser den Blick auf die Damen und den Nachwuchs. Gerade dort sieht der zweitlängstdienende Präsident des HC Wien das größte Entwicklungspotenzial - aber auch die größten Herausforderungen.

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„Unsere Damen sind auf dem richtigen Weg“

Wechseln wir zu den Damen. Wie fällt dein Saisonfazit aus?

Positiv. Wir haben eine extrem junge Mannschaft, das Durchschnittsalter liegt bei knapp zwanzig Jahren. Emil Sperl leistet hervorragende Arbeit. Er baut das Team Schritt für Schritt auf und integriert die vielen jungen Spielerinnen mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl. Natürlich zeigen sich die Ergebnisse noch nicht immer in der Tabelle. Den Grunddurchgang haben wir als Letzter beendet. Trotzdem haben wir wichtige Fortschritte gemacht: Nach langer Zeit wieder ein Meisterschaftsspiel gewonnen und die Relegation gegen Universitas souverän für uns entschieden. Entwicklung verläuft eben selten geradlinig. Entscheidend ist, dass die Richtung stimmt - und die stimmt.

Trotzdem klingt heraus, dass dich etwas beschäftigt.

Ja. Mich ärgert, dass wir immer wieder Spielerinnen verlieren, sobald sie sich sportlich entwickelt haben. In den vergangenen Jahren sind gleich mehrere unserer stärksten Spielerinnen zum AHTC gewechselt. Jetzt verlässt uns auch noch unsere Torfrau. Natürlich verstehe ich den sportlichen Reiz. Dort locken Nationalteam, Europacup und Titelchancen. Aber für uns als Verein ist das bitter. Wir bilden aus, andere profitieren. Wenn wir diese Spielerinnen hätten halten können, würden wir heute ganz selbstverständlich um das Final Four mitspielen.

Ist das nicht Teil des Leistungssports?

Bis zu einem gewissen Grad schon. Aber wir sprechen hier von einer sehr kleinen Hockeygemeinschaft. Wenn dauerhaft nur ein Verein die besten Spielerinnen sammelt, verliert die Liga an Spannung. Davon hat niemand etwas - weder die Vereine noch das österreichische Hockey insgesamt. Das schadet dem österreichischen Hockey mehr als es hilft. Ich wünsche mir eine starke Liga mit mehreren Mannschaften auf Augenhöhe. Nur dann entwickeln sich Spielerinnen wirklich weiter.
Wir sehen das als Beispiel bei den Herren. Neudorf und Mödling bilden immer hervorragende Spieler aus und die Wechseln dann zu einem Verein nach Wien. Und was ist passiert, Neudorf und Mödling grundeln in der 2. und 3. Liga herum und in der ersten Bundesliga haben wir nur mehr 5 Mannschaften. Das ist eigentlich eine Katastrophe für das Österreichische Hockey.

Wie könnte man diese Entwicklung stoppen?

Wahrscheinlich nur durch gegenseitigen Respekt. Wir brauchen mehr Fairness unter den Vereinen. Ich könnte mir ein Gentleman’s Agreement unter den Wiener Vereinen vorstellen. Niemand soll daran gehindert werden, den Verein zu wechseln, wenn er wirklich unzufrieden ist. Das gehört dazu. Aber gezieltes Abwerben junger Spieler*innen halte ich langfristig für problematisch. Wir alle reden davon, den Hockeysport stärken zu wollen. Dann müssen wir auch bereit sein, Verantwortung für das Ganze zu übernehmen. Eine starke Liga ist wichtiger als die Dominanz eines einzelnen Vereins.

Wie beurteilst du die Entwicklung der jungen Mannschaft?

Sehr positiv. Diese Spielerinnen haben schon im Nachwuchs gezeigt, welches Potenzial in ihnen steckt. Jetzt müssen sie Erfahrungen sammeln. Natürlich schmerzt der Verlust unserer Torfrau. Wir haben zwar eine talentierte Nachfolgerin, aber dahinter wird es sehr jung. Trotzdem sehe ich Woche für Woche Fortschritte. Der Abstand zur Konkurrenz wird kleiner. Wir verlieren zwar noch Spiele, aber wir sind längst nicht mehr chancenlos. Emil macht hervorragende Arbeit. Er entwickelt nicht nur Spielerinnen, sondern auch eine Mannschaft. Jetzt braucht es Geduld. Die Mannschaft wird ihren Weg gehen.

Was wünscht du dir?

Ich wünsche mir, dass diese Mannschaft an sich glaubt. Der Erfolg beginnt im Kopf. Wenn die Spielerinnen sagen: Wir trainieren härter als alle anderen. Wir bleiben zusammen. Wir ziehen das gemeinsam durch. Dann wird der Erfolg kommen. Davon bin ich überzeugt. Vielleicht dreht sich die Entwicklung dann sogar um - und künftig wechseln Spielerinnen zum HC Wien, weil sie sehen, dass hier etwas entsteht. Das wäre mein Wunsch.

Wo siehst du die Damen in den nächsten Jahren?

Im Final Four. Seit ich Präsident bin, haben unsere Damen das Final Four noch nicht erreicht. Das möchte ich unbedingt erleben. Und irgendwann möchte ich mit dieser Mannschaft auch um den Meistertitel spielen. Ich bin überzeugt, dass das möglich ist.

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„Eigene Trainer sind unsere Zukunft“

Der Nachwuchs als Fundament 

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Wie zufrieden bist du mit dem Nachwuchs?

Insgesamt sehr zufrieden.
Wir gehören vielleicht nicht jedes Jahr zu den Allerbesten, aber wir sind konstant vorne dabei. Was im Nachwuchs auffällt, sind die Unterschiede zwischen den Jahrgängen. Manche Jahrgänge sind außergewöhnlich stark, andere brauchen etwas länger. Entscheidend ist für mich etwas anderes: Wir bilden immer mehr eigene Trainer aus. Darauf bin ich besonders stolz. Mein Sohn Pauli macht inzwischen selbst den Trainerschein und betreut bereits eine Nachwuchsmannschaft. Das ist genau der Weg, den wir gehen müssen. Externe Trainer werden für kleine Vereine immer schwieriger zu finanzieren. Ein erfahrener Trainer aus Deutschland oder den Niederlanden kostet inklusive Wohnung schnell mehrere tausend Euro im Monat. Deshalb investieren wir lieber in unsere eigenen Leute. Davon profitiert der Verein langfristig wesentlich mehr. Marcel, unser Sportlicher Leiter, macht das wirklich sehr gut. Er baut junge Trainer*innen in die Trainings ein und bestärkt sie auch damit, eine Ausbildung zu machen.

Welche Rolle spielen dabei die Eltern?

Eine wichtige. Aber manchmal wünsche ich mir etwas mehr Gelassenheit. Unsere Trainer investieren unglaublich viel Zeit und Herzblut. Dieses Vertrauen sollten auch die Eltern mitbringen. Natürlich möchte jeder Vater und jede Mutter das Beste für das eigene Kind. Das verstehe ich. Aber Entwicklung braucht Zeit. Nach wenigen Trainings darüber zu diskutieren, auf welcher Position ein Kind spielen soll, hilft niemandem. Wir sind ein Amateurverein. Unser Ziel ist nicht, mit Zehnjährigen möglichst viele Titel zu gewinnen. Kinder brauchen Vertrauen, keine Dauerbewertung. Unser Ziel ist, Kindern Freude am Hockey zu vermitteln. Denn wer Freude entwickelt, bleibt dem Sport treu. Und mit der Zeit kommen im Regelfall auch die Erfolge.
Daher auch meine Bitte an die Eltern, unterstützt die Trainer und Trainerinnen und seht über manche Unzulänglichkeiten hinweg.

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Herzstück Klubhaus und eigenes Zuhause

Nach sportlichen Themen rückt Alexander Kaiser das in den Mittelpunkt, was HC Wien abseits des Platzes prägt - und derzeit am meisten fehlt: Infrastruktur. Klubhaus, Halle, eigener Platz. Für den Präsidenten sind das keine Nebenthemen, sondern die Grundlage für alles Weitere.

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Kommen wir zur Infrastruktur. Der HC Wien wartet seit Jahren auf ein Klubhaus. Wie ist die aktuelle Situation?

Ehrlich gesagt: herausfordernd. Seit dem Brand des Hockeystadions vor fünf Jahren haben wir kein richtiges Klubhaus mehr. Keine Homebase, keinen zentralen Treffpunkt. Am Platz selbst fehlt uns dieser Ort komplett. Wir funktionieren trotzdem - und das ist eigentlich das Erstaunliche. Aber natürlich merkt man jeden Tag, dass etwas fehlt. Ein Verein braucht ein Zuhause. Einen Ort, an dem alles zusammenläuft. Dennoch bleibe ich zuversichtlich. Wenn hält, was uns mündlich zugesagt wurde, haben wir Ende nächsten Jahres wieder ein Klubhaus.

Ein Klubhaus ist mehr als nur ein Gebäude?

Für mich ist das Klubhaus nicht einfach ein Bauprojekt. Es ist der Mittelpunkt eines Vereins. Treffpunkt, Identität, Kommunikation - alles passiert dort. Ich freue mich sehr darauf, wenn es endlich wieder entsteht. Dann können wir auch wieder Turniere organisieren, Veranstaltungen durchführen und den Verein stärker nach außen öffnen. Der Hockeysport lebt von solchen Momenten.

Der HC Wien lebt seit fünf Jahren im Provisorium.

Im Moment arbeiten wir mit Übergangslösungen. Unser Kantineur Patrick hat im Hockeystadion ein sehr gutes Provisorium aufgebaut. Dafür bin ich ihm extrem dankbar. Aber es bleibt ein Provisorium. Am Anfang ist so etwas charmant. Im zweiten Jahr akzeptiert man es. Aber irgendwann sehnt man sich nach einer echten Lösung.

Wie sieht es mit einer eigenen Halle aus?

Das ist ebenfalls eine Baustelle. Wir haben keine eigene Halle und müssen uns in ganz Wien Trainingszeiten anmieten - Gerasdorf, Liesing, überall verstreut. Das ist nicht nur teuer, sondern auch organisatorisch extrem aufwendig. Wir brauchen deshalb eine Lösung, die langfristig funktioniert. Ideal wäre eine Halle direkt im Hockeystadion.

Hat das Problem nur der HC Wien?

Nein. Die Hallensituation betrifft nicht nur uns, sondern auch andere Wiener Vereine. WAC ist in einer ähnlichen Lage. Als kleiner Verein hast du es in der Stadt Wien schwer, Gehör zu finden. Das ist schade, weil wir alle viel selbst auf die Beine stellen. Arminen hat gezeigt, was möglich ist, wenn man mutig ist, konsequent arbeitet und gleichzeitig Unterstützung bekommt. Arminen hat die beste Infrastruktur – einen eigenen Platz und gleich daneben die neue Halle.

Es braucht aber auch einen zusätzlichen Hockeyplatz in Wien?

Die Hochrechnung ist einfach: wir haben vier Plätze für fünf Vereine - das geht sich auf Dauer nicht aus. Wir brauchen dringend einen zusätzlichen Hockeyplatz in Wien. Wir platzen im Hockeystadion aus allen Nähten. Die Zusammenarbeit mit dem AHTC funktioniert im Großen und Ganzen recht gut, aber es ist trotzdem schwierig. Als Beispiel: Man kommuniziert mit Eltern über zig Mails, dass ihr Kind zum Schnuppertraining kommt, aber wenn sie nur eine Stunde zu früh oder zu spät ins Hockeystadion kommen, dann landen sie beim anderen Verein.
Also wir brauchen in Wien unbedingt noch einen weiteren Kunstrasenplatz, weil sonst kann es vielleicht auch irgendwann passieren, dass es nur mehr 4 Vereine in Wien gibt.

Was macht ein Platz mit einem Verein?

Ein eigener Platz, ein eigenes Zuhause, würde vieles verändern. Es geht nicht nur um Sport, sondern auch um Identität und Zugehörigkeit. Wenn du ankommst und siehst dein Wappen, dein Klubhaus, deine Farben - dann entsteht Bindung. Im Moment teilen wir uns alles mit dem AHTC. Das macht es schwer, ein echtes „Wir-Gefühl“ zu entwickeln.

Trotz allem funktioniert und lebt der Verein.

Das ist, was mich am meisten beeindruckt. Der Verein lebt und funktioniert trotzdem. Trotz fehlendem Klubhaus, trotz Hallenproblemen, trotz Infrastrukturdefiziten. Das ist nur möglich, weil unglaublich viele Menschen tagtäglich ehrenamtlich mithelfen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Was wird sich mit dem Klubhaus ändern?

Ich bin überzeugt: Sobald das Klubhaus steht, wird der ganze Verein einen Entwicklungsschub machen. Davon bin ich überzeugt. Es ist ein Katalysator. Man merkt jetzt schon, wie viel Energie im Verein steckt - trotz aller Herausforderungen. Wenn wir diese Energie an einem Ort bündeln können, wird das vieles verändern.

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„Die Strandbar Hermann war etwas komplett Neues“

HC Wien als Marke und warum ein erfolgreicher Unternehmer den Verein nicht genauso skalieren kann wie ein Business.

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Du hast mit der Strandbar Herrmann ein äußerst erfolgreiches Konzept aufgebaut: weltweit bekannt, wirtschaftlich erfolgreich, stark in der Wahrnehmung. Warum gelingt es beim HC Wien nicht in ähnlicher Form, eine vergleichbare Strahlkraft zu entwickeln?

Die Strandbar war damals einfach etwas völlig Neues. Als wir 2005 gestartet sind, gab es dieses Konzept in Wien so nicht. Dazu kam eine perfekte Lage und ein einfaches, aber starkes Erlebnisangebot. Die Leute sind sofort gekommen. Von Anfang an hatten wir enorme Frequenz. Das ist etwas anderes als beim Sportverein. Eine Bar ist ein Produkt, das sich sofort erklärt. Hockey ist erklärungsbedürftig.

Wie generiert man mehr Sichtbarkeit für Hockey?

Wir haben versucht, den HC Wien über Veranstaltungen sichtbarer zu machen - etwa mit Beach-Hockey-Turnieren. Das hat gut funktioniert. Die Leute hatten Spaß, die Spielerinnen und Spieler auch. Aber es bleibt schwierig, dauerhaft eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen, weil der Zugang zum Sport nicht selbstverständlich ist.

Was fehlt dir, um diese Marke HC Wien weiterzuentwickeln?

Ganz ehrlich: Menschen, die umsetzen. Ich bräuchte jemanden, der mir hilf und einfach zupackt.  Ich habe viele Ideen. Sehr viele sogar. Aber mir fehlt jemand, der sagt: Okay, das machen wir jetzt. Jemand, der Schulen anschreibt, Videos produziert, Social Media betreut, Projekte umsetzt, und, und, und - einfach anpackt. Ich kann das zeitlich nicht alles selbst machen und bin für manches auch einfach die falsche Person dafür.

Geht es ums Geld? Oder fehlt die Struktur?

Wir haben im Verein viele helfende Hände - das ist großartig. Das möchte ich nochmals betonen. Aber wenn man wachsen will, braucht man klare Strukturen: Sponsoring, Betreuung, Kommunikation. Im Moment ist alles ehrenamtlich organisiert. Das funktioniert, aber es limitiert uns auch.

Ein konkretes Beispiel.

Ein Beispiel zeigt das sehr gut: Wir haben am Hockeystadion einen Eingang Richtung Hauptallee, den wir nicht öffnen dürfen. Dadurch finden viele Menschen gar nicht erst zu uns - weder Kinder noch Eltern oder Zuschauer. Das wirkt banal, ist aber eigentlich ein großes Problem. Denn Sichtbarkeit beginnt beim Zugang.

Ist Hockey zu elitär und zu wenig greifbar. Müsst ihr raus aus der Nische?

Natürlich. Hockey ist objektiv gesehen eine der attraktivsten Sportarten. Der Sport hat sich enorm entwickelt. Er ist schneller, athletischer, moderner, technisch dynamisch als früher - eigentlich perfekt für modernes Publikum. Zudem sind wir in der Halle extrem erfolgreich – wir sind Welt- und Europameister. Gemeinsam mit Faustball der erfolgreichste Mannschaftssport in Österreich. Trotzdem bleiben wir oft unter dem Radar. Diese Entwicklung kommt in der öffentlichen Wahrnehmung zu wenig an. Das liegt nicht am Sport selbst, sondern daran, wie wir ihn präsentieren. Andere Sportarten schaffen das besser.

Was wurde unternommen, um den HC Wien besser zu vermarkten?

Wir haben viel versucht, den HC Wien stärker zu öffnen - mit Events, Kooperationen, Ideen. Aber oft fehlt der letzte Schritt in der Umsetzung. Genau da würde ich mir Unterstützung wünschen.

Was also braucht es?

Wenn ich das nur wüsste. Vielleicht braucht es einen Quereinsteiger. Ich glaube nicht, dass diese Person zwingend aus dem Hockey kommen muss. Im Gegenteil: Vielleicht braucht es jemanden von außen. Jemanden, der ohne Vereinsbrille denkt und einfach macht.

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Hockey war unsere Familie

Was Alexander Kaiser wirklich antreibt und was für ihn am Ende wirklich zählt - jenseits von Infrastruktur und sportlichen Ergebnissen.

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Wenn du auf deine Zeit im Hockey zurückblickst - was überwiegt?

Ganz klar: die Kindheit. Das war eine unglaublich schöne Zeit. Wir waren jeden Tag im Hockeystadion. Hockey war nicht nur Sport, es war unser Lebensmittelpunkt. Unsere Freunde, unsere Gemeinschaft, unsere Familie. Viele dieser Freundschaften von damals bestehen bis heute.

Gewinnen stand nicht im Vordergrund?

Natürlich wollten wir auch gewinnen. Wir haben Titel gewonnen, Spiele verloren, Emotionen erlebt. Aber das Entscheidende war immer das gemeinsame Erleben. Wir haben Siege gefeiert, Niederlagen verarbeitet - und sind als Gruppe zusammengewachsen. Das prägt dich fürs Leben.

Hockey als Schule fürs Leben.

Irgendwie schon. Ich sehe das jetzt auch bei meinem Sohn. Diese Gruppe von fünf, sechs Burschen, die ständig zusammen sind - das erinnert mich extrem an unsere Zeit. Diese Generation lebt das wieder, was auch ich genossen habe. Das war und ist ein Privileg.  Wenn das so bleibt, haben sie die Chance, etwas Besonderes zu werden. Nicht nur sportlich, sondern als Freundeskreis.

Es gab aber auch schwierige Phasen?

Der Wechsel nach Breitenlee in den 80er Jahren war sportlich und strukturell ein Einschnitt. Viele sind den Weg damals nicht mitgegangen. Das hat uns Jahre gekostet. Das hat uns zurückgeworfen. Aber auch das gehört zur Geschichte des Vereins. Heute sind wir wieder auf einem besseren Weg.

Was sind deine schönsten Erinnerungen?

In meiner Zeit als Präsident haben wir zwei Staatsmeistertitel gewonnen. Als Spieler waren es drei. Das bedeutet mir sehr viel. Das ist wichtig und schön - aber am Ende bleibt etwas anderes wichtiger: Die Menschen, mit denen du das erlebt hast. Titel kommen und gehen. Freundschaften bleiben. Nicht umsonst haben wir beim HC Wien den Slogan „Freunde gewinnen.“ Das ist mir wichtig. Das war mir immer ein besonderes Anliegen.
Auch ist es schön zu sehen, dass der HC Wien momentan bei ca. 250 Mitgliedern steht, vor ca. 15 Jahren waren das noch 100 weniger.

Eine schlimme Erinnerung?

Der emotional schwierigste Moment war der Brand des Hockeystadions. Ich erinnere mich noch genau an den Anruf mitten in der Nacht: „Das Hockeystadion brennt. Du brauchst aber nicht kommen. Die Feuerwehr ist schon unterwegs.“ Ich bin selbstverständlich doch gleich auf. Als ich angekommen bin, lag alles bereits in Schutt und Asche. Du stehst davor und hast nichts mehr in der Hand. Und trotzdem war sofort klar: Wir machen weiter.

Wolltest du nie hinhauen?

Nein. Aufgeben war nie eine Option. In solchen Momenten zeigt sich, was ein Verein wirklich ist. Nicht das Gebäude, nicht die Infrastruktur - sondern die Menschen. Und genau deshalb hat der HC Wien weiter funktioniert.

Gehst du noch immer mit derselben Motivation an die Sache heran wie vor mehr als 20 Jahren?

Das Feuer ist immer noch da. Vielleicht sogar stärker als früher. Ich denke jeden Tag darüber nach, wie wir den HC Wien weiterentwickeln können. Sportlich, strukturell, menschlich.

Wenn du drei Wünsche frei hättest, was würdest du dir für den HC Wien wünschen?

Einen eigenen Platz mit Klubhaus und eigener Halle. Und Menschen, die den eingeschlagenen Weg weiter mit mir gehen.

     

 

 

Bernd und Xandl, Freunde fürs Leben!